Offener Brief an das Rektorat: Kein Platz für Frauen-, Trans-, Inter- und Homofeindlichkeit!

Offener Brief zur KHG-Veranstaltung an der TU Wien

An das Rektorat der TU Wien – Rektorin Dr.in Sabine Seidler, Dr. Johannes Fröhlich, Dr. Kurt Matyas, Dr. Josef Eberhardsteiner, Mag.a Anna Steiger.

Kein Platz für Frauen-, Trans-, Inter- und Homofeindlichkeit!

Die Katholische Hochschulgemeinschaft hat die Veranstaltung “Gender-Debatten: Worum geht es?” für den 10. November angekündigt, die im prestigeträchtigsten Saal der TU Wien, dem Kuppelsaal, stattfinden wird. Wir sind grundsätzlich der Meinung, dass eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit verschiedenen Geschlechteridentitäten und ein Aufbrechen der traditionellen, festgefahrenen Geschlechterrollen wichtig ist – sind aber überzeugt davon, dass diese Veranstaltung nichts dazu beitragen wird.

Zu dieser Überzeugung gelangen wir aufgrund der teilnehmenden Personen. Gabriele Kuby ist als Vertreterin von “Contra Gender” (!) eingeladen, sie ist unterstützt unter anderem die sogennante Konversionstherapie“ [1] und ist damit sogar manchen Rechten zu extrem [2 – Achtung, rechtsextreme Seite]. Sie behauptet auch, dass die Kinderbetreuung in Schweden dazu geführt hätte, dass jedes dritte kind “psychisch gestört” und das Homosexualität eine Sünde sei [3]. Damit ist sie auf einer Linie mit dem weiteren Diskussionsteilnehmer, dem homofeindlichen Psychiater Raphael Bonelli, der gerne „Homoheiler“ zu seinen Veranstaltungen einlädt [4, 5]. Die Moderatorin, Gudrun Kugler, ist vor 2 Jahren mit der Meinung aufgefallen, dass es “moderne Christenverfolgung” (!) sei, wenn Beamte dazu verpflichtet sind Eheurkunden auch für gleichgeschlechtliche Paare auszustellen [6].

Eine solche Veranstaltung hätte die TU Wien niemals genehmigen sollen. Es ist bekannt, dass die KHG Karlskirche (zuständig für TU Wien, Veterinärmedizinische Universität sowie Kunstuniversitäten Wiens) vom Opus Dei getragen wird. Die KHG Wien hat zur NR-Wahl 2017 außerdem einen Leitfaden für die Wahlentscheidung veröffentlicht [7], der, wenn auch indirekt, deutliche Aussagen enthält (zB. heterosexuellen, monogamen Familie als “Keimzelle der Gesellschaft”).

Obwohl sich die TU Wien durch einen Frauenförderungsplan, Diversity-Management Programm und einer Abteilung für Genderkompetenz in diesen Fragen eindeutig positioniert, weigert sich das Rektorat auch nach Anfragen von verschiedensten Seiten die Veranstaltung in ihrem prestigeträchtigsten Saal abzusagen.

Begründet wird dieser Schritt damit, dass es “Zensur” wäre, die Veranstaltung nicht in ihren Räumen abhalten zu lassen. Stattdessen hat sich das Rektorat dazu entschieden sich “klar über alle verfügbaren Medien [zu] distanzieren”. Allerdings gibt es keine Verpflichtung der TU Wien jeglicher Organisation für jeglichen Zweck Räume zu vermieten und die freie Meinungsäußerung wird durch eine Absage einer Veranstaltung in keinster Weise beschnitten.

Da eine solche Veranstaltungen in den Räumen der TU Wien nicht hingenommen werden kann, hat das Frauen*Volksbegehren 2.0, mit Hilfe der HTU (angeregt durch eine Aktivistin der Fachschaft Informatik), eine Gegenveranstaltung zur selben Zeit im Hauptgebäude auf die Beine gestellt. Unter dem Titel “Gender-Debatte: Darum geht es!” diskutieren unter anderem Jelena Gučanin, Ingrid Brodnig, Luan Knorri Pertl und Käthe Kratz den Hintergrund der aktuellen Gender-Debatten und alle damit verbundenen Veränderungen in der aktuellen politischen Situation. Nach dem Zitat von Ludwig Wittgenstein – “Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt” – wird der Frage auf den Grund gegangen, welche Rolle Sprache in Bezug auf die langsam voranschreitende Gleichstellung spielt.

Wir sind der Meinung, dass Frauen-, Homo-, Inter- und Transfeindlichkeit an österreichischen Universitäten im Allgemeinen, sowie an der TU Wien im Speziellen, keinen Platz haben darf. Wir möchten alle, die ebenfalls dieser Meinung sind, egal ob sie Angehörige der TU Wien sind oder nicht, dazu einladen, die Veranstaltung des Frauen*Volksbegehren 2.0 zu besuchen [8] und sich zu solidarisieren.

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Reparativtherapie

[2] https://web.archive.org/web/20170716041119/https://sezession.de/4757/gabriele-kuby-und-die-homosexuellen (Wir möchten nicht auf Sezession.de verlinken; außerdem scheint die Seite derzeit offline zu sein)

[3] https://www.zvw.de/inhalt.pluederhausen-gabriele-kuby-homosexualitaet-ist-eine-suende.6d16327c-264d-415a-a4af-a2c8e791e2e3.html

[4] http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/exorzisten-und-schwulen-heiler-daemonen-auf-dem-psychiaterkongress-a-505764-2.html

[5] https://www.falter.at/archiv/FALTER_200709121836150010/raphael-bonelli

[6] http://derstandard.at/2000023084365/Christliche-Aktivistin-in-Wiener-OeVP-sorgt-fuer-Aufregung

[7] https://www.khg.wien/news/wahlleitfaden

[8] https://www.facebook.com/events/638379393219074/

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